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Kinderbibeltag 2011: Hallo Gott, hörst Du mich?

Kinderbibeltag 2011: Hallo Gott, hörst Du mich?

Beten auf Rezept, Gebetsmühlen, Gebetswürfel, Gebetszelte, spielend Beten und Beten weil einem das Herz überläuft: Der ökumenische Kinderbibeltag der katholischen und der evangelischen Kirche in Alfter beschäftigte sich am Samstag, 19. November, in den Räumen beider Gemeinden den ganzen Tag auf spielerische und ernste Weise mit dem Thema Gebet.

Am Anfang stand Familie Sorglos, deren Alltag den Kindern vom Kinderbibeltagsteam unter Leitung von Pfarrerin Susanne Back-Bauer und Gemeindereferentin Teresa Obst vorgespielt wird: Die Mutter schreibt an einem Kriminalroman, der Vater muss einkaufen gehen, und keiner hat Zeit für den Sohn, der dringend Hilfe braucht, weil das selbstgebaute Terrarium für seine Spinne immer wieder auseinanderfällt. In seiner Not wendet er sich an Gott im Gebet und sein Problem findet eine Lösung, weil der Vater vom Einkaufen eine große 5-Liter-Flasche mitbringt, die dann durch Abschneiden des oberen Teils und ein feines Netz darüber zum neuen Terrarium wird. Auch für die Schwester, die so gerne mit ihren Freundinnen auf Pützchens Markt möchte, aber nicht darf, wird das Gebet zum Ausdruck ihrer Hilflosigkeit. „Was meint ihr, hat das Gebet geholfen?“ fragt Frau Obst. „Jaaa!“ die einhellige Antwort der fast 60 Kinder im großen Saal des Pfarrheims. Auch wenn Gott nicht das Terrarium wieder heil gezaubert hat, sondern die Hilfe auf einem anderen Weg kam, war das Gebet doch nicht überflüssig. Auch wenn die Lösung für den Wunsch der Tochter schließlich die Idee des Vaters war, doch mit der ganzen Familie hinzugehen und die Freundinnen mitzunehmen, hat Gott nach Meinung der Kinder doch irgendwie mitgeholfen, dass es zu dieser Lösung kam.

In der Bibel ist das Gebet an vielen Stellen Thema; zwei davon haben die Kinder ebenfalls in Form von Theaterstücken erlebt: Die Erzählung vom Hausvater, der mitten in der Nacht Besuch bekommt und deshalb bei seinem Nachbarn um Brot bittet, so lange und penetrant, bis der aufsteht und ihm das Gewünschte gibt, und die Geschichte vom römischen Hauptmann, der glaubt, dass Jesus nur einen kurzen Befehl geben muss, und dann wird sein kranker Knecht wieder gesund. Die Geschichte vom Hauptmann wurde von den Konfirmandinnen und Konfirmanden der Evang. Gemeinde mit von ihnen gebastelten Pappfiguren vorgespielt – man merkte deutlich, wie viel Spaß die Jugendlichen selbst daran hatten! Auch die Messdiener, die mit den Kindern in der Mittagspause Spiele im Freien machten, hatten viel Freude an der Sache – ihnen allen sei auch an dieser Stelle herzlich gedankt!

Neben den Spielstücken und dem Gesang in großer Runde, der wie gewohnt von der Gitarrengruppe der Evang. Gemeinde und dem Musikkreis von St. Matthäus begleitet wurde, haben sich die Kinder in sechs kleineren Gruppen mit unterschiedlichen Formen von Gebet beschäftigt und überlegt, in welchen Situationen man denn beten kann. Eine Gruppe hat sich mit einem Rezept für Croissants beschäftigt, das zugleich ein Gebet war: Der Dank an Gott für die leckeren Zutaten und die Freude beim Zubereiten kam genauso vor wie die Bitte ums Gelingen. Ob es gewirkt hat? Am Ende schmeckten die selbst gebackenen Croissants jedenfalls allen sehr lecker.

Dass unsere Gebete in den Himmel steigen und dabei unsere Freude und unsere Sorgen mitnehmen können, hat die Beschäftigung mit tibetischen Gebetsmühlen gezeigt, die man dreht und so dem darin versteckten Gebet Schwung gibt. Eine weitere Gruppe hat im Rahmen eines Brettspiels mit Ereigniskarten immer wieder Gelegenheit gehabt, ein Gebet zu formulieren. Und zwei weitere Gruppen haben Gebete künstlerisch ergänzt – in Form von Gebetswürfeln mit Symbolen, zu denen jeweils ein Gebet in ein selbst gebasteltes Büchlein geschrieben wurde, oder in Form von „Gebetszelten“, einer Art Leporellos mit Gebeten und Bildern, die aus gebügelten Wachsmalfarben auf Transparentpapier farbenfroh leuchteten.

Die sechste Gruppe schließlich hat überlegt, in welchen Situationen Gebete hilfreich sein könnten, und zwei solcher Szenen spielerisch umgesetzt: „Bei mir ist die Luft raus“ und „Ich möchte platzen vor Freude“. Selbst wenn es sonst keiner wahrnimmt und keiner sich dafür interessiert – Gott hört mir zu; zu ihm kann ich jederzeit kommen mit dem, was mich bewegt.

Vor Gott kann ich meine Gedanken auf ganz unterschiedliche Weise bringen – diese Erfahrung konnten alle Kinder auch im „Gebetsgarten“ machen, der wegen der Kälte dann doch drinnen stattfand: An drei Stationen gab es die Möglichkeit, ein Gebet aufzuschreiben und in eine virtuelle Klagemauer zu stecken, wie es bei den Juden in Jerusalem Brauch ist, oder ganz ohne Worte eine Kerze anzuzünden und meine Gedanken und Gefühle still vor Gott auszubreiten, oder einige Krümel Weihrauch ins Fässchen zu legen und zu sehen, wie der Rauch zu Gott aufsteigt und zeigt: wir danken Dir, wir loben Dich, Gott.

Beim Abschlussgottesdienst im Evangelischen Gemeindezentrum hat jede Gruppe den anderen Kindern und den anwesenden Eltern vorgestellt, was sie am Tag gemacht haben, und natürlich haben alle gemeinsam Gott gedankt für den schönen Tag und mit einander das Gebet gesprochen, das das wichtigste für die ganze Christenheit ist: Das Vaterunser. Gedankt wurde aber nicht nur Gott, sondern auch allen ehrenamtlichen Mitarbeitenden und Eltern, die am Gelingen dieses Tages mitgewirkt haben – für sie gab es dann auch einen kräftigen Applaus am Ende des Gottesdienstes.

Ein besonderer Dank gilt auch dem Hofladen Mandt, der die Kinder und Helfer durch eine großzügige Spende mit reichlich Vitaminen versorgt hat, sowie dem aktivmarkt Edeka Mohr für die freundliche Unterstützung!